Bad Mergentheim. Neue Herausforderungen und Entwicklungen im Rettungsdienst standen im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen MdL Prof. Dr. Wolfgang Reinhart und Vertretern der Integrierten Leitstelle Main-Tauber. Neben den umgesetzten Änderungen des Rettungsdienstgesetzes wurde über den Einsatz digitaler Lösungen wie das telenotärztliche System diskutiert, das bis 2030 im Kreis etabliert werden soll.
Die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen im Bereich der Notfallrettung im Main-Tauber-Kreis sowie insbesondere die Umsetzung des im Juli novellierten baden-württembergischen Rettungsdienstgesetzes waren Hauptthemen des Gesprächs. Wie Leitstellen-Chef Matthias Hofmann eingangs erklärte, regelt das neue Gesetz unter anderem die Eintreffzeit: bei bestimmten Notfallkategorien sollte demnach in 95 Prozent der Fälle innerhalb von zwölf Minuten das erste Rettungsmittel am Notfallort eintreffen.
Die ersten 60 Minuten sind in vielen Notfällen entscheidend
Die Prähospitalzeit, also die Zeit bis der Notfallpatient bei bestimmten Notfällen in der Klinik ankommt, solle in 80 Prozent der Fälle nicht mehr als 60 Minuten betragen. Diese ersten 60 Minuten seien aus medizinischer Sicht vor allem bei kardiologischen Notfällen sowie bei Schlaganfällen besonders entscheidend, unterstrich DRK-Präsident Prof. Dr. Thomas Haak. „Wir sind der dünnbesiedelste Landkreis im ganzen Land. Eine solche Fläche führt zwangsläufig zu Fahrzeiten“, betonte MdL Reinhart, der sich vor dem Hintergrund nach dem Status Quo der Einsatzzeiten erkundigte. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 habe die zwölfminütige Hilfsfrist in rund 77 Prozent der Fälle erreicht werden können, teilte Leitstellen-Chef Hofmann mit.
Auf weitere Nachfrage Reinharts nach den Möglichkeiten, gerade im ländlichen Raum mit weiten Distanzen auch Chancen der Digitalisierung bei der Notfallrettung sinnvoll einzusetzen, gingen Hofmann und Haak auf die weitere Neuregelung zur Einführung eines telenotärztlichen Systems ein. Selbst wenn dadurch ein Notarzt vor Ort nicht ersetzt werden könne, sieht Thomas Haak darin dennoch eine „sinnvolle Ergänzung“, dies ebenso vor dem Hintergrund, dass Notarztsanitäter über die höchste nichtärztliche Ausbildung im gesamten medizinischen Bereich verfügen.
Im Main-Tauber-Kreis soll die Umsetzung bis 2030 abgeschlossen sein, erläuterte MdL Reinhart. Hofmann begrüßte, dass künftig ein digitaler Versorgungsnachweis als offene Plattform vorzuhalten ist, über die Leitstellen, Einsatzmittel und Krankenhäuser miteinander verknüpft sind, sodass die aktuellen Versorgungskapazitäten der Krankenhäuser rasch und unmittelbar eingesehen werden können. Der stellvertretende Leitstellen-Chef Sebastian Adler ergänzte, dass bereits jetzt bei Notfällen, in denen eine Reanimation notwendig erscheint, die ILS bis zum Eintreffen des Rettungsmittels mit dem Absender des Notrufs telefonisch in Kontakt bleibt und Schritt für Schritt Anweisungen gibt, die im Einzelfall lebensnotwendig sein können.
Austausch über länderübergreifende Vernetzung
Reinhart berichtete ferner über seinen Austausch mit den beiden Innenministern in Stuttgart und München zur besseren, länderübergreifenden Vernetzung der Integrierten Leitstellen in den beiden Bundesländern. Beide Innenminister befürworteten zuletzt ein Schreiben von Wolfgang Reinhart und seinem Miltenberger Kollegen aus dem bayerischen Landtag, Martin Stock, hin zu technischen Verbesserungen mit dem Ziel, dass damit künftig die Standortdaten der Rettungsmittel für alle Leitstellen verfügbar sind. Abschließend dankte Wolfgang Reinhart für die wertvolle Arbeit, die vor Ort von den Mitarbeitern der Leitstelle geleistet werde, wobei er dabei gleichermaßen das DRK mit seiner neuen Geschäftsführerin Anna Deister sowie alle haupt- und ehrenamtlichen Angehörigen der Blaulichtfamilie miteinschloss. pm