·

DRK hat Menschen in Notlagen in Bad Mergentheim stets geholfen

Ehrungen gab es natürlich auch: Für langjähriges Engagement im DRK-Ortsverein wurden Anita Ulshöfer, Joachim Titze, Jihad Fares, Siegfried Latter, Dr. Adalbert Weber und Ulrich Dörner ausgezeichnet. Zudem wurde stellvertretend für den Ortsverein der Vorsitzende René Föhr vom Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen geehrt, und der Ortsverein dankte mit einem Präsent Swen Rüdenauer für dessen jahrzehntelanges Engagement. Das Bild zeigt die Geehrten zusammen mit Vertretern des DRK. © Kuhnhäuser

125 Jahre DRK-Ortsverein Bad Mergentheim

Bad Mergentheim. Es war ein rundum gelungener Festabend im Dorfgemeinschaftshaus Neunkirchen. 125 Jahre DRK-Ortsverein Bad Mergentheim machten deutlich, dass Geschichte und Gegenwart durchaus eines zweiten Blickes würdig sind. Gut gewählt war das Motto: 125 Jahre im Dienst der Menschlichkeit. Und das stellten auch die Redner heraus.

Der Saal war mit Schautafeln und Schaufensterpuppen in DRK-Uniformen von einst und heute dekoriert. Der Vorsitzende René Föhr machte in seiner Begrüßung deutlich, dass der DRK-Ortsverein Bad Mergentheim nun seit mehr 125 Jahren einen enormen Beitrag für die Gemeinschaft und das Wohl der Bewohner der Stadt und der Umgebung leiste. „Es ist eine Zeit, die reich an Geschichte ist, und es ist auch eine Zeit, in der unser Ortsverein unzählige Leben berührt und verändert hat.“ Stets habe man sich der Mission verschrieben, Menschen in Notlagen zu helfen – Kranken und Verletzten sowie der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden und auch Gemeinschaft zu leben und zu fördern.

Und diese Mission habe zahlreiche Menschen angetrieben und tue das noch heute. „Wir haben Mitglieder, die dem Ortsverein bereits seit mehr als 50 Jahren treu sind und mit viel Freude und Engagement ehrenamtlich tätig sind.“ Namentlich nannte Föhr dabei die Kreis-Ausbildungsleiterin Antje Klingert, die seit 50 Jahren im Ortsverein aktiv ist. Und natürlich den im vergangenen Jahr verstorbenen Raimund Rüdenauer, der mit unermüdlicher Tatkraft und Liebe zum Verein ebenfalls 50 Jahre beitrug, den Ortsverein zu dem zu machen, was er heute ist. „Sein Vermächtnis lebt in unserem DRK fort“, betonte Föhr.

Mehr als ein Rückblick

Der Festabend solle aber nicht nur dem Rückblick auf die Vergangenheit dienen, sondern auch die Gegenwart feiern. „Unser Ortsverein lebt von und mit den Menschen, die in ihm aktiv sind – als freiwillige Helfer, als Spender oder auch als Aktive im Vorstand, im Sanitätsdienst und in der Sozialarbeit.“ Es wurden zahlreiche Einsätze gemeistert, die unzähligen Menschen in Not Hilfe brachten, verwies Föhr auf die Hilfskonvois in Kriegs- und Krisengebiete. „Wir sind also nicht nur lokal tätig, sondern auch im Ausland. Und im Landkreis, wie der Einsatz nach dem Jahrhunderthochwasser in Königheim zeigte, als man eine ganze Gemeinde mit Verpflegung versorgte. „Wir standen fest an der Seite der Betroffenen, ließen ihnen Trost, Unterstützung und Hilfe zu bieten. Das zeigte auch die Entschlossenheit und Stärke unserer Gemeinschaft, Herausforderungen anzunehmen und erfolgreich zu meistern.“ Das habe sich auch in der Corona-Pandemie bemerkbar gemacht, als der Ortsverein ein Testzentrum im Kulturforum einrichtete und betrieb. „Die Bereitschaft der Mitglieder zum Handeln ist der Motor unseres Ortsvereins und macht uns zu dem, was wir sind.“

Aber auch die Sozial- und Jugendarbeit bilde einen Schwerpunkt, betonte Föhr. „Die Senioren sind ein Bestandteil unserer Gemeinschaft, ihre Erfahrungen und ihr Wissen bereichern unsere Arbeit.“ Und auch das Jugend-Rotkreuz habe eine besondere Bedeutung. „Wir wissen, dass die Jugend die Zukunft des Vereins und des Ehrenamtes ist. Indem wir junge Menschen vom Kindesalter an in unsere Arbeit einbeziehen und sie für humanitäres Engagement begeistern, legen wir den Grundstein für eine nachhaltige und starke Zukunft.“

Jeder Rede folgte eine sehens- und hörenswerte Tanz- und Gesangsnummer des Jugend-Rotkreuzes sowie der Seniorengruppe. Diese und auch die Jugendlichen und Kinder zeigten dabei nicht nur viel Geschick und Freude an der Sache, sondern lieferten auch ein Beispiel für die lebendige und ansprechende Sozial- und Jugendarbeit im DRK-Ortsverein Bad Mergentheim.

OB Udo Glatthaar verwies in seinem Grußwort auf die Bedeutung des Vereins in der Stadt. „Wir sind froh über die starke Präsenz des Roten Kreuzes hier vor Ort, betonte der OB, der auch den „großartigen Einsatz während der Corona-Pandemie“ hervorhob. Die gesamte „Blaulichtfamilie“ sei „eine Art Lebensversicherung und funktioniert nur, wenn Haupt- und Ehrenamtliche gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten“. Die Integrierte Leitstelle sei dabei der Ort, der das erfolgreiche Zusammenspiel möglich mache. „Seit vielen Jahrzehnten stemmt der DRK-Ortsverein in unserer Stadt große und kleine Projekte sowie Not- und Hilfseinsätze, und die Mitglieder haben dabei das Leben vieler Menschen positiv beeinflusst“, sagte Glatthaar.

Dienst für die Menschlichkeit

Der Präsident des DRK-Kreisverbands Mergentheim, Prof. Dr. Thomas Haak – er wirkt auch als Leitender Notarzt – sprach die Geschichte des Ortsvereins an. Aus kleinen Anfängen sei ein vielfältiges Sozial-Angebot entstanden, das vielen Menschen in Notsituationen beigestanden habe und weiterhin tue. Das gemeinsame Ziel, das ja auch im Motto des Abends deutlich werde, sei der „Dienst für die Menschlichkeit“. Haak unterstrich dabei das große Engagement der Ortsvereinsmitglieder, die in den diversen Angeboten die selbstgestellten Aufgaben „vorbildlich umsetzen“. Der Kreisverband könne stolz sein, einen solchen Ortsverein in seiner Mitte zu haben.

Gleichberechtigte Stimme

Laura Jäger, Landesleiterin des Jugend-Rotkreuzes Baden Württemberg, scheute die lange Anfahrt nicht. Schließlich stehe sie mit dem Orga-Team des DRK-Ortsvereins Bad Mergentheim seit Monaten im engen Kontakt, um das Landeszeltlager im Willinger Tal vorzubereiten. Jäger überbrachte die Grüße des gesamten Präsidiums des DRK-Landesverbandes. „Alle, also auch Angehörige marginalisierter Gruppen, über die so oft hinweg entschieden wird, haben im Roten Kreuz eine gleichberechtigte Stimme, werden gehört und bestimmen gleichwertig mit.“ Den „unermüdlichen und kreativen Einsatz“ des Ortsvereins für junge Menschen hob Jäger besonders hervor. „Ich möchte Danke sagen – den Mitgliedern und Aktiven des Ortsvereins. Danke für alle vergangenen und zukünftigen Einsätze im Namen der Menschlichkeit und im Zeichen unserer Grundsätze. Lasst uns gemeinsam gegen Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung einstehen, lasst uns mit unserem Einsatz ein Zeichen setzen für eine friedvolle und menschliche Gesellschaft“, sagte die Landes-Jugendleiterin abschließend.

Der Leiter des Polizeireviers Bad Mergentheim, Olaf Bamberger, überbrachte die Grüße seiner Kolleginnen und Kollegen und die Hoffnung auf ein weiteres gutes Miteinander. Polizei, Feuerwehr und DRK „leisten gemeinsam einen unverzichtbaren Beitrag für die öffentliche Sicherheit und damit für unsere Gesellschaft“, betonte Bamberger. Der DRK-Ortsverein halte seine Einsatzbereitschaft „auf hohem Niveau“, lobte der Revierleiter. Ob Bereitschaft, Betreuungsdienst, Seniorengruppe, Jugend-Rotkreuz und die Blutspenden – „beim DRK-Ortsverein Bad Mergentheim finden alle, die sich engagieren wollen, ein passendes Betätigungsfeld“. Trotz allem Fortschritt und technischem Wandel gelte für das Rote Kreuz, „dass es stets Menschen bedarf, die anpacken und in ihrem Engagement Verantwortung für sich und andere übernehmen“, sagte Bamberger.

Für die Feuerwehr sprach der stellvertretende Kreisbrandmeister Jürgen Friedel. Auch wenn Feuerwehr und Rotes Kreuz „auf den ersten Blick unterschiedliche Aufgaben haben, zeigen sich bei genauem Hinsehen viele Gemeinsamkeiten“, erläuterte Friedel, So gebe es „gemeinsame Werte“, und diese machten die Zusammenarbeit „so wertvoll“. Letztendlich „geht es uns beiden darum, für die Menschen da zu sein, sowie eine sichere und solidarische Gesellschaft aufzubauen und zu bewahren“. Ebenfalls gemeinsam sei das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder. „Das Ehrenamt ist das Herzstück unserer Arbeit. Es ist die Kraft, die uns antreibt, Tag für Tag und Nacht für Nacht für unsere Mitmenschen da zu sein“, betonte Friedel und wünschte allen Einsatzkräften „ein erfolgreiches Wirken und immer eine gesunde Rückkehr“.

Blick auf Blutspendeaktionen

Nachdem sich das JRK mit einem selbst produzierten Video vorgestellt hatte, sprach Julia Warzych vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen. Ihr Grußwort hielt sie im besten Sinne des Wortes „kurz und knackig“. Warzych verwies auf die mittlerweile seit 65 Jahren stattfindenden Blutspendeaktionen, bei denen der DRK-Ortsverein einen wesentlichen Beitrag leiste. Der erste Termin fand am 16. Juni 1959 statt, und er wurde zu einer immer wiederkehrenden Aktion, die bis heute 50598 Blutspenden erbracht hat. Und da „eine Spende drei Leben rettet“, hätten 150 000 Unfallopfer und Kranke davon profitiert und gerettet werden können.

Professionell und engagiert

Der Leiter des Ordnungsamtes der Stadtverwaltung Bad Mergentheim, Christian Völkel, der auch für Feuerwehr und Katastrophenschutz zuständig ist, ging auf seine „ständigen Kontakte mit der Blaulichtfamilie“ und damit auch zum DRK-Ortsverein ein. Ihn beeindrucke stets „die Professionalität, das Engagement, der Einsatzwille und der Korpsgeist“, sagte Völkel. Sei es beim Betrieb des Corona-Testzentrums, beim Catering während der Impfaktionen im evangelischen Gemeindehaus, bei Blutspendeaktionen und Veranstaltungen im Stadtgebiet – „stets kann man auf die Einsatzbereitschaft dieser hochmotivierten Gruppe von Ehrenamtlichen zählen“.

Eine „kleine Zeitreise des DRK-Ortsvereins von 1899 bis heute“ bot abschließend Swen Rüdenauer den Teilnehmern des Festabends. In der Tauber-Zeitung war am 25. September 1899 zu lesen, dass sich am Tag zuvor ein Ortsverein des Roten Kreuzes gebildet hatte – die Sanitätskolonne Nr. 17 mit 24 Mitgliedern. Die „Gemeinschaft im Ehrenamt“ habe den Ortsverein seit seiner Gründung geprägt, und auch im 125. Jahr seines Bestehens „geht ohne ehrenamtliches Engagement nichts“.

Die Präsentation zeigte dazu Bilder der verschiedenen Bereiche der Arbeit des Ortsvereins. Nach den vielen Reden bestand Gelegenheit, sich zu stärken und auszutauschen. Auch die Bewirtung hatten Ehrenamtliche organisiert und so standen Ortsvereinsmitglieder in der Küche und an der Ausgabe von Speisen und Getränken bereit – „irgendwer von uns ist ja immer im Dienst“, sagte ein älterer Rotkreuzler dazu.

Hans-Peter Kuhnhäuser Autor