Ich will etwas für die Gesellschaft tun"

 

Ich will etwas für die Gesellschaft tun"

Ausbilder Gerd Drescher weist die Kursteilnehmer auf die verschiedenen Merkmale und Maßnahmen hin.

Bei allen großen Veranstaltungen in der Region sind die Sanitäter des DRK mit dabei. Um diesen verantwortungsvollen Dienst ausüben zu können, bedarf es einer 50-stündigen Ausbildung.

Bad Mergentheim. Seit Januar wird eifrig gelernt und geübt: 13 Frauen und Männer absolvieren zur Zeit einen besonderen Sanitätskurs, um anschließend ehrenamtlich Dienst tun zu können. Der Lehrsaal im DRK-Heim ist an Freitag Schauplatz des Unterrichts, und Gerd Drescher (50) - "ein DRK-Urgestein" - wirkt als Ausbilder. Was diesen Kurs für angehende Sanitäter so besonders macht, ist die hohe Zahl von Frauen. Nur zwei Männer sind dabei. "Sonst ist es andersrum", sagt Drescher, der sich seit 30 Jahren beim DRK engagiert und in der Bereitschaft des Ortsvereins Bad Mergentheim aktiv ist - als Sanitäter, vor allem aber als Ausbilder für künftige Sanitäter, als Erste-Hilfe-Kursleiter sowie als Ausbilder für Feuerwehrleute, die neben ihrem eigentlichen Job auch Verletzten helfen können müssen.

Die Altersspanne der "Schüler" reicht diesmal von 19 bis 61 Jahre. Sanitäter zu sein, "ist keine Frage des Alters", sagt Drescher. Vielmehr gehe es darum, "in Gemeinschaft aktiv zu sein und etwas für die Gesellschaft zu leisten", wie die 19-jährige Wiebke Kemmer sagt. Sie ist schon "seit der Grundschule im DRK aktiv", und die Markelsheimerin hat im Jugend-Rot-Kreuz schon viele Erfahrungen gesammelt.

Natürlich ist sie dadurch "gut vorgebildet" und hat deshalb "keine Prüfungsangst". Ihr Wissen und das in der Ausbildung erworbene Können müssen die Kursteilnehmer bei der theoretischen Prüfung am 31. März abrufen, am 1. April sind sie dann im praktischen Teil gefordert. Bis dahin wird noch fleißig Theorie gepaukt und geübt. War es anfangs nur am Freitagabend, sind nun auch die Samstage verplant.

Am Freitagabend geht es unter anderem um das Thema "Schock", und der Ausbilder macht zunächst klar, was darunter zu verstehen ist. Die Kursteilnehmer sind allesamt aufmerksam, haben sie doch teilweise schon langjährige Erfahrung und wissen, worum es geht.

Die "Literatur" ist umfangreich, und natürlich haben sie alle schon den Stoff "inhaliert". Die Neueinsteiger haben es natürlich schwerer, aber alle sind aus eigenem Antrieb hier und wollen lernen.

Luisa Ikas aus Igersheim ist erst seit Oktober in der Bereitschaft Igersheim, und nach dem Sanitätskurs will sie sich weiter qualifizieren. "Beim Rettungsdienst mitmachen" ist ihr großes Ziel. Ihr Mann ist bei der Feuerwehr, "ich will auch etwas für die Gesellschaft tun", sagt sie. Ihr "Einstieg" war das Engagement als Betriebs-Ersthelferin, dem folgte der Beitritt zum DRK-Ortsverein Igersheim. "Ich will es richtig machen", betont die 30-Jährige. Ob sich die Ehepartner mal beim Einsatz treffen? "Ja, das kann passieren", sagt Ikas. "Aber dann macht ja jeder, was zu tun ist."

Drescher hat motivierte Schüler - so mancher Lehrer wäre froh, wenn seine Klasse so viel Aufmerksamkeit an den Tag legen würde. Schockpatienten sind "verwirrt, bleich, kaltschweißig", antwortet eine der vier Frauen von der Rettungshundestaffel auf die Frage Dreschers. Die Elpersheimerin Sophie Beez macht seit einem Jahr bei der Rettungshundestaffel mit, nun will sie auch Sanitätsdienste leisten. "Es ist doch spannend, helfen zu können", sagt die 22-Jährige. Und ja, "mit dem Hund verletzte oder hilflose Menschen zu finden" und dann entsprechende Hilfe leisten zu können, "das ist doch toll".

Einen Schock-Patienten richtig zu lagern, will geübt sein, und auch die Hilfsmittel der Sanitäter - "der Rucksack mit dem ganzen Equipment wiegt etwa 20 Kilo", weiß Drescher - müssen richtig eingesetzt werden. Das wird natürlich nicht nur theoretisch vermittelt, sondern auch geübt, und abwechselnd sind die Kursteilnehmer "Patient" und "Sanitäter". Und so ganz nebenbei wird dabei auch klar, dass "immer vor dem Einsatz die Ausrüstung überprüft werden muss". Drescher spricht aus Erfahrung, nach 30 Jahren Dienst in der Bereitschaft ist ihm nichts mehr fremd.

Auch als Helfer des Rettungsdienstes und des mit ihm eintreffenden Notarztes wirken die Rot-Kreuz-Sanitäter, und deshalb muss eine Infusion vorbereitet werden können. "Wir bereiten nur vor, die Kanüle legt der Arzt", macht Drescher deutlich. Aber natürlich muss das im Fall des Falles reibungslos klappen, und so legen die Kursteilnehmer den Stauschlauch, das Desinfektionsspray und die Tupfer bereit, reißen die sterile Verpackung der Kanüle auf, um diese dem Notarzt zu reichen, und verbinden einen Infusionsbeutel mit dem Systemschlauch, der dann entlüftet wird.

Alle Teilnehmer haben das Prozedere gut hinbekommen, der Ausbilder kann weitermachen mit dem Unterricht. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn schon in wenigen Tagen steht die Prüfung an. "Ich bin zuversichtlich, die Teilnehmer sind ja alle gut drauf", sagt Drescher.




Veröffentlicht am:
15:12:45 19.09.2017 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
15:12:45 19.09.2017