Interimslösung für die Rettungsleitstelle

Interimslösung für die Rettungsleitstellezzz

Zuers war die Polizei an der Reihe. Mit jahrelangen Verzögerungen kam hier die Digitalisierung. Auf der Internetseite der Polizei Baden-Württemberg steht heute zu lesen: "Mit Abschluss der wesentlichen Maßnahmen zum Aufbau des Netzes für den Digitalfunk BOS in Baden-Württemberg und dessen Einführung in der Polizei des Landes endete das Projekt BOS-Digitalfunk BW mit Ablauf des Jahres 2013."

Nun sollten die Feuerwehr und der Rettungsdienst am Zuge sein. Das heißt, nicht nur die Einsatzfahrzeuge und die tragbaren Funkgeräte müssen umgerüstet werden, sondern auch die Rettungsleitstellen im Land, die also, die die Notrufe entgegennehmen und dann die Einsatzkräfte koordinieren.

Weichen gestellt

Der DRK-Kreisverband Bad Mergentheim bereitete sich darauf vor und stellte die Weichen für einen Doppelschlag: Zum einen, die eigene Platznot für Schulungen und Fuhrpark zu beseitigen und zum anderen, eine neue Leitstelle mit modernster Technik einzurichten, die dem digitalen Zeitalter gerecht wird.

Im September 2014 erfolgte der Spatenstich für das zweistöckige Einsatz- und Fortbildungszentrum, das mittlerweile zwischen Rotkreuzstraße und B 290, also vis-à-vis zum bestehenden DRK-Zentrum und unweit der Hauptfeuerwache, gut sichtbar entstand.

Inzwischen wurde der Betrieb im Erdgeschoss aufgenommen. Die jüngste DRK-Vorstandssitzung fand im neuen Schulungssaal statt und auch die ersten Fahrzeuge belegen die Garage. Nur im Obergeschoss, den Räumen für die neue Leitstelle, steht derzeit alles still.

Professor Dr. Werner Romen, Präsident des DRK-Kreisverbands, erklärt warum: "Wir sind vorangegangen und haben uns modern aufgestellt. Auch ein digitaler Knotenpunkt befindet sich hier in Bad Mergentheim. Doch jetzt sind das Land und die Politik gefragt, ihrerseits die Digitalisierung voranzubringen. Wir sind bereit und warten."

2,3 Millionen investierte der DRK-Kreisverband in sein neues Gebäude, das Umfeld und die Einrichtung des Erdgeschosses und blieb damit im Kostenrahmen, freut sich Prof. Romen.

Er hofft nun, dass der Digitalfunk bald auch bei Rettungsdienst und Feuerwehr Einzug hält, doch Jahre abwarten bis alle Schalter in Stuttgart umgelegt und alle Hürden dafür genommen sind, möchten er und sein Kreisverband auch nicht.

Deshalb hat sich die Führung des Kreisverbands entschieden, die Platznot in den bisherigen Räumen der Leitstelle auf jeden Fall zu beenden - voraussichtlich bis zum Jahreswechsel.

Das bedeutet: Die Rettungsleitstelle zieht um, aber vorläufig mit der alten Technik. "Es gibt also eine Interimslösung!", sagt Romen. Das verursache zwar extra Kosten und sei umständlich, aber andererseits sei es auch nicht vertretbar die Leitstelle und die Mitarbeiter noch bis 2017 oder vielleicht sogar 2018 in den engen, alten Räumen zu belassen, während sie jeden Tag gegenüber den Neubau "bestaunen", aber eben nicht nutzen dürfen.

"Wir platzen am bisherigen DRK-Standort aus allen Nähten und mussten handeln", beschrieb der DRK-Präsident 2014 die Entscheidung für den Neubau. "Jetzt haben wir mehr Platz und wollen ihn auch nutzen", schiebt er im Juni 2016 nach.

Feier verschoben

Die offizielle Einweihung des millionenschweren DRK-Neubaus sei laut Romen erst für das nächste Frühjahr geplant, weil eben erst dann der neue Standort komplett sei.

Die Redaktion hakte gestern auch beim Innenministerium nach, wie es um die Einführung des Digitalfunks bei Feuerwehr und Rettungsdienst steht. Eine ergiebige Antwort gab es mit Verweis auf eine laufende "Große Anfrage" der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag nicht. Die Anfrage dreht sich um die "zukünftigen Aktivitäten der grün-schwarzen Landesregierung im Bereich des Rettungswesens" und wurde Ende Mai gestellt. Sie beschäftigt jetzt das Ministerium.

24 Fragen werden aufgeworfen. Eine fragt nach dem Stand der Dinge beim Digitalfunk auch mit Blick auf die Ausstattung der Integrierten Leitstellen. Eine andere lautet: Wann wird das Nebeneinander von Digital- und Analogfunk in Baden-Württemberg bei Polizei, Feuerwehr und Rettungswesen beendet sein?




Veröffentlicht am:
14:58:00 19.09.2017 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
15:26:30 19.09.2017