"Menschen helfen war mein Ziel"

 

FREIWILLIGENARBEIT: Junge Menschen engagieren sich in der Sozialarbeit und beim DRK-Rettungsdienst

Kim Weiter und Ann-Kathrin Schmitt leisten ihre Freiwilligenarbeit beim DRK. "Rettungsdienst macht Spaß, ist aber kein Spaß", sagen die beiden.






 

Ann-Kathrin Schmitt (links) und Kim Weiter absolvieren ein Jahr Freiwilligenarbeit beim DRK in Bad Mergentheim. Beide haben es noch keine Sekunde bereut, dass sie sich dieser Aufgabe gestellt haben.

BAD MERGENTHEIM.
 Den Schulabschluss in der Tasche, heißt es für viele junge Menschen erstmal raus aus dem Alltag. Ausbildung und Studium stehen noch früh genug auf der Matte. Das "Gap-Year" oder auch "Lückenjahr", der Zeitraum zwischen zwei Lebensabschnitten, erfreut sich Jugendliche großer Beliebtheit. Die Palette der Möglichkeiten ist breit und reicht von Au-Pair über "Work&Travel" bis hin zu den verschiedensten Praktika im In-und Ausland. Viele entscheiden sich für ein "Freiwilliges Soziales Jahr", kurz FSJ. Eine Vielzahl zieht es dabei ins Ausland, doch auch in der Region kann man sich engagieren. So auch beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Bad Mergentheim.

 
 

"FSJ, was ist denn das?"

"Freiwilliges Soziales Jahr" - vielen ist bei diesem Begriff ein Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Das "Freiwillige Soziale Jahr" findet seinen Anfang in der Kirche, die bereits vor 60 Jahren daran appellierte, sich freiwillig in den Dienst der Kranken und Pflegebedürftigen zu stellen. Jungen Menschen mithilfe des Freiwilligenjahres eine persönliche und berufliche Orientierung zu ermöglichen, so lautete das Ziel der Pionierin des Freiwilligendienstes in Deutschland, Gertrud Rückert. Sie entwickelte 1962 das Vorläufermodell für das heute bundesweit gesetzlich verankerte "Freiwillige Soziale Jahr".

 
 

Als soziales Bildungsjahr richtet sich das "Freiwillige Soziale Jahr" an junge Menschen in der Altersstufe von 17 bis 27 Jahren. Sie engagieren sich in der Gesellschaft, verantwortungsvoll, freiwillig und ehrenamtlich. Die Freiwilligen erhalten einen intensiven Einblick in unterschiedliche Einsatzfelder sozialer Berufe. Sie leisten ihren Dienst in Einrichtungen wie Altenheimen und Krankenhäusern - oder eben beim DRK in Bad Mergentheim. Dazu gehören auch Kim Weiter und Ann-Kathrin Schmitt. Nach dem Abitur haben sich beide für ein Jahr im Rettungsdienst und Krankentransport entschieden und haben Anfang September ihren Dienst in Bad Mergentheim angetreten.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung berichten sie über ihre Arbeit als FSJ´ler. Der Startschuss für ihr Freiwilligenjahr fiel mit einem vierwöchigen Lehrgang an der DRK-Landesschule in Pfalzgrafenweiler. Die Schulung zum Rettungshelfer bereitet sowohl praktisch als auch theoretisch auf die kommenden Aufgaben vor. Was in der Theorie sitzt, wird im Rettungswachenpraktikum in der Praxis vertieft - als "dritter Mann" auf dem Rettungswagen erfolgt die praktische Einweisung durch die neuen Kollegen. Das einwöchige Klinikpraktikum im Caritas-Krankenhaus rundet die ersten ereignisreichen Wochen ab. Ziel ist es, einen Einblick in die Notfallaufnahme sowie den Klinikalltag zu ermöglichen und somit die Weiterversorgung von Patienten aufzuzeigen.

Nahtlos geht es dann im Rettungsdienst von null auf hundert. Als vollwertiges Mitglied stehen ihre Namen auf dem Schichtplan. An eine 48-Stunden-Woche muss man sich als ehemaliger Schüler erst einmal gewöhnen. Dementsprechend ist bei ihnen der Aphorismus "Eat, sleep, safe lives, repeat" ("Essen, schlafen, Leben retten, wiederholen") im Gedächtnis geblieben. "In den ersten Wochen habe ich mich gefühlt, wie es das Zitat passend beschreibt", erinnert sich Kim Weiter an ihre ersten Arbeitswochen.

Zehn Freiwillige leisten gegenwärtig ihren Dienst beim DRK-Kreisverband Bad Mergentheim. Vier von ihnen sind als FSJ´ler aktiv, sechs weitere im "Bundesfreiwilligendienst", dem Nachfolger des 2011 ausgesetzten Zivildienstes - beide Dienste sind jedoch im Kern identisch.

Für die Freiwilligen gibt es zwei Aufgabenfelder. Auf der einen Seite den Rettungsdienst und den Krankentransport, auf der anderen Seite die Sozialarbeit wie "Essen auf Rädern", Unterstützung bei Behördengängen, Hausnotruf oder auch die Arbeit in der Kleiderkammer. Ergänzt wird die praktische Arbeit durch insgesamt fünf einwöchige Bildungsseminare.

Abwechslung pur

Dienstkleidung anziehen, den Piepser greifen, Auto checken, abwarten auf den nächsten Einsatz. Nachtschicht in Mergentheim, Tagesdienst in Niederstetten, Krankentransport nach Stuttgart, Heidelberg oder Würzburg: Der Arbeitsalltag im Altkreis Mergentheim ist vielfältig. "Man weiß bei Antritt zur Schicht nie, was einen erwartet. Das macht es so spannend", so Kim Weiter. Besonders schön sei es, wenn man für seine Arbeit ein dankendes Wort erhält. "Es ist immer toll zu hören, muntert auf und gibt Kraft."

Durch die Arbeit kommen sie mit ganz unterschiedlichen Menschen mit gänzlich verschiedenen Geschichten in Kontakt, lernen bewegende Schicksale kennen. "An einem Tag holen wir einen Patienten aus einer Villa ab, gleich darauf vielleicht aus einer Sozialwohnung," veranschaulicht Ann-Kathrin Schmitt im Gespräch.

Beide bereuen es keine Sekunde, diese Entscheidung getroffen zu haben. "Nach dem Abi etwas Praktisches tun und dabei noch Menschen helfen, das war mein Ziel", stellt Kim Weiter fest - und das haben sie mit der Arbeit beim DRK erreicht. Ihr FSJ in einem Satz beschreiben? Beide sind sich einig: "Rettungsdienst macht Spaß, ist aber kein Spaß", so hat es bereits der Dozent in der DRK-Landesschule gesagt.

Eine Bewerbung ist grundsätzlich das ganze Jahr möglich, doch auch hier gilt die Devise: je früher, desto besser. Bewerber müssen zudem mindestens 18 Jahre alt und im Besitz eines Führerscheines der Klasse B sein. Außerdem sollten Bewerber teamfähig sein und eine gehörige Portion Motivation und Einsatzwillen mitbringen. Allerdings müssen Interessenten auch wissen,worauf sie sich einlassen.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 26.10.2015



Veröffentlicht am:
15:18:55 26.10.2015 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
15:18:55 26.10.2015