Früher mit Auto zur Blutspende geholt

 

DRK WEIKERSHEIM: Ortsverein organisiert seit 50 Jahren Blutspendetermine / Etliche Helfer der ersten Stunde sind auch heute noch als Unterstützer dabei





WEIKERSHEIM. Plakate kleben, Handzettel schreiben und reden, reden, reden... So ging es los, als 1965 unter anderem Rudolf Baier, Barbara Deeg und Karl Egner sich mit viel Energie an die Vorbereitung des ersten Blutspendetermins in Weikersheim machten.

Der Impuls für die Erfolgsgeschichte war vom DRK-Kreisverband ausgegangen: Der hatte beim damaligen Bereitschaftsleiter Gerhard Enzmann angefragt, ob sich nicht auch die Weikersheimer Rotkreuzler in die Riege der Blutspendeorganisatoren einreihen könnten.

Die Truppe im Tauberstädtchen zog mit, sprach Verwandte, Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen an. Sie legten sich schwer ins Zeug, um schon die erste Blutspendeaktion zum Erfolg zu machen: "Die Spender mussten sich anmelden, wir haben genaue Termine ausgemacht, die Blutspender aus den Ortschaften mit dem Auto abgeholt und wieder nach Hause gebracht," erinnert sich Rudolf Baier.


Die erste Blutspendeaktion fand in der damaligen Grundschule am Schlossgarten statt. Barbara Deeg, Helferin der ersten Stunde, gehörte zum Anmeldeteam in der heutigen Kraft zu Hohenlohe Förderschule. "Damals wurde jeder Eintrag von Hand gemacht - heute geht das alles viel einfacher," sagt sie und deutet auf die Computerausstattung in der Anmeldung. Das gilt auch für die eigentliche Blutspende: Heute läuft das Spenderblut der Schwerkraft folgend in die Beutel aus Spezialkunststoff, und der "besond're Saft" wird vollautomatisch schonend bewegt, um jedem Verklumpungsrisiko vorzubeugen.

Vor fünf Jahrzehnten wurden unter Unterdruck stehende Glasflaschen verwendet, die den besonderen Saft regelrecht aus den Adern saugten. Immer wieder kam es vor, dass den Spendern anschließend flau wurde, mancher kippte regelrecht um und brauchte eine Weile, ehe er oder sie sich beim anschließenden Blutspende-Vesper wieder stärken konnte. Die Helfer hatten alle Hände voll zu tun, um nicht nur bleich gewordene Spender genau im Blick zu behalten, sondern auch die frischen Konserven perfekt zu behandeln. Viel mehr Arbeit sei es gewesen, bestätigen alle, die von Anfang an dabei waren. Als das runde Dutzend Helfer gemeinsam mit dem Team des Blutspendedienstes am Abend des 9. Juni 1965 Bilanz zogen, waren sie hoch zufrieden: 156 Blutkonserven konnten weitergeleitet werden. "Eine Blutspende zu benötigen kann jedem passieren", so der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Bad Mergentheim Klaus Eckel. Aber: Bundesweit spenden nur etwa drei Prozent der Bevölkerung mehr oder minder regelmäßig Blut, in Großstädten liegt der Anteil deutlich niedriger als in ländlichen Regionen. Das liege wohl auch daran, dass man sich im ländlichen Raum einfach besser kenne und so häufiger mitbekomme, dass einem Menschen im näheren oder weiteren Umfeld mit einer Bluttransfusion geholfen werden konnte, mutmaßt Daniel Schnell, beim Frankfurter Blutspendedienst zuständig fürs Referat Öffentlichkeitsarbeit. Und - ein anerkennender Blick geht zum Weikersheimer Bereitschaftsleiter Jan Breidenbach - natürlich sei das örtliche Rote Kreuz entscheidend. Gemeinsam mit derzeit 17 Aktiven und 15 Helfern gibt er dem Ortsverein ein Gesicht: Ohne Rot-Kreuz-Wache sind weder die Weikersheimer Kärwe noch die Oper oder Großveranstaltungen wie der Hohenloher Kultursommer, größere Sportevents, das Open Air-Kino oder diverse Veranstaltungen der Jeunesses Musicales Deutschland denkbar. Im "Helfer vor Ort"-System wurde die Bereitschaft allein 2014 84-mal alarmiert: "Klar kennt man sich da," sagt Breidenbach, Bereitschaftsleiter seit 2004. Und außerdem seien natürlich die Mitglieder auch in anderen Vereinen aktiv. Die Vernetzung ist bis in die Teilorte eng.

Sehr dankbar ist der DRK-Ortsverein der Gemeinschaftsschule, die die erforderlichen Räumlichkeiten stellt. Damit pünktlich ab 14.30 die ersten Blutspender begrüßt werden können, ist das Weikersheimer Team samt Helfern bereits am Vorabend im Einsatz: Da wird ein Klassenzimmer zum Anmelderaum, ein weiteres zum Arztzimmer, der Musiksaal wird für die eigentliche Blutentnahme geräumt, im Atrium im Erdgeschoss wird Raum für die Erholungsliegen geschaffen, ein weiterer Raum wird zur Vesperstube.

Hier duftet es lecker: In der Küche nebenan wirtschaftet ein ebenfalls ehrenamtliches Damenteam, brutzelt frisch Bratwürste, Schnitzel, richtet Vesperteller, dazu Kraut und Salate: rund zwölfeinhalb Kilo Kartoffeln haben sie geschält, sechs Kilo Karotten geraspelt. Wenn beim Zwiebeln schneiden Tränen fließen, ist's für einen guten Zweck, berichten Marianne Lutz, Rosemarie Baier, Ingrid Kosmak und Else Körschgens, die seit Jahren zum festen Kern des Küchenteams zählen. Bürgermeister Klaus Kornberger ist als Ortsvereinsvorsitzender auch bei fast jeder Spendenaktion anzutreffen: Er ist stolz darauf, dass sich "sein" Ortsverein bei jeder Spendenaktionen vom Aufbau am Vorabend bis zum letzten räumenden Handgriff am Folgetag so engagiert einsetzt.

Natürlich gehört auch er selbst zu den regelmäßigen Blutspendern. Er dankt allen, die durch ihre Blutspende und die Unterstützung der Blutspendeaktionen uneigennützig Mitmenschen helfen. Zum nächsten Blutspendetermin am 30. Juli lädt der Bürgermeister schon jetzt wieder ins Schulzentrum ein.

50 JAHRE BLUTSPENDE WEIKERSHEIM IN ZAHLEN

  • Mehr als eine Blutspendeaktion im Jahr konnte der DRK-Ortsverein Weikersheim in seinen Anfängen 1965 nicht stemmen.
  • Gut zwei Jahrzehnte später organisierte der Ortsverein dann jährlich zwei Aktionen, seit Mitte der 90er Jahre sind es sogar drei Blutspendetermine pro Jahr.
  • Im Gegensatz zum Bundestrend ist in Weikersheim das Spendenaufkommen stabil: Pro Spendentermin kommen im Schnitt rund 150 Spender.
  • Diese spenden jeweils - komplett unentgeltlich - rund einen halben Liter Blut.
  • Bei den etwa 100 Spendenaktionen, die seit der "Premiere" 1965 stattfanden, steuerten die Blutspender aus Weikersheim allen rund 7500 Liter Vollblut zur Sicherung des Vorrates in den Blutbanken bei, die aus dem Vollblut hochwirksame Medizinpräparate gewinnen.
  • Über ein Viertel des Spenderblutaufkommens wird bei der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt, je rund ein Fünftel bei Erkrankungen von Herz, Magen oder Darm. ibra

© Fränkische Nachrichten, Montag, 13.04.2015





Veröffentlicht am:
08:43:34 22.05.2015 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
08:43:34 22.05.2015