Viel Verständnis für Fahrten mit Sondernsignal

DRK-Kreisverband Mergentheim: Hier viel Verständnis für Fahrten mit Sondersignal
Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Ein Notarzt war unterwegs zum Einsatzort, ein anderer Verkehrsteilnehmer sah sich genötigt und erstattete Anzeige. Der Strafbefehl wurde nun zurückgezogen.

Die Bevölkerung hat viel Verständnis: Rettungsdienstleiter Kai Schlecht (links) und der Präsident des DRK-Kreisverbands Mergentheim, Prof. Dr. Werner Romen, vor einem Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) der Rettungswache Bad Mergentheim. Foto: HP

Die Bevölkerung hat viel Verständnis: Rettungsdienstleiter Kai Schlecht (links) und der Präsident des DRK-Kreisverbands Mergentheim, Prof. Dr. Werner Romen, vor einem Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) der Rettungswache Bad Mergentheim. Foto: HP
 

Ober sticht Unter - das war auch in diesem Fall in Bayern so. Der Oberstaatsanwalt sorgte dafür, dass ein bereits erteilter Strafbefehl an den bayerischen Notarzt zurückgezogen wurde. Mit ein Grund dürfte auch das engagierte Eintreten von knapp 200.000 Menschen gewesen sein, die sich einer Online-Petition anschlossen.

Klar - wer auf den Notarzt wartet, dem erscheinen Sekunden wie Minuten. Und die Fahrer der so genannten NEFs, der Notarzt-Einsatzfahrzeuge - in Bad Mergentheim sind es DRK-Rettungsassistenten, nur im Creglinger Raum sitzen die Notärzte noch selbst am Steuer - haben es eilig. Denn die Patienten brauchen dringend medizinische Hilfe. Doch nur wenn die Leitstelle "Sondersignal" anordnet, darf mit Blaulicht und Martinshorn gefahren werden. Dann können die Regeln der Straßenverkehrsordnung übertreten werden, etwa was Geschwindigkeit oder das Überfahren durchgezogener Linien angeht.

"Unsere Rettungsassistenten und Notärzte sind keine rücksichtslosen Verkehrsrüpel", betonen DRK-Kreisverbands-Präsident Prof. Dr. Werner Romen und der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Bad Mergentheim, Klaus Eckel, im Gespräch mit der TZ. Sorgen machen sie sich dennoch: "Die Notärzte machen gerade Nachts, an Wochenenden und an Feiertagen häufig zusätzliche Dienste. Es ist ohnehin schon schwierig, engagierte und qualifizierte Leute zu finden. Zudem sind Fristen einzuhalten. Wir müssen also schnell fahren. Aber wenn den Leuten Anzeigen drohen, ist das nicht gut für die Motivation", sagt der Kreisverbands-Präsident. Und Romen ergänzt, dass es ja nicht nur hauptberufliche Rettungsassistenten und selbstfahrende Notärzte treffen kann. "Das betrifft den Rettungsdienst, Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen. Da sind ja häufig Ehrenamtliche am Steuer." Für Romen ist Freiheit ein wichtiges Gut, "aber Rücksicht ist noch wichtiger". Wer selbst schon auf das Eintreffen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt gewartet hat, für den ist Rücksichtnahme auf die Fahrer der Einsatzfahrzeuge kein Problem. "Einfach mal in die Situation der Wartenden und der Fahrer hineinversetzen", raten Romen und Eckel.

Das DRK hat in unserer Region "glücklicherweise noch keine Anzeigen kassiert" - trotz einer Vielzahl von Fahrten. "Wir haben im Südkreis rund 1400 Notarzt-Einsätze im Jahr, unsere NEFs sind also ständig unterwegs", sagt Klaus Eckel. Dass es noch nie zu ernsthaften Klagen oder gar zu Anzeigen gekommen sei, "liegt auch am großen Verständnis der Bevölkerung". Und überhaupt: "Unsere Rettungsassistenten werden ja speziell für ihre Aufgaben geschult. Sie machen Fahrertraining; ein Fahrlehrer gibt Unterricht und Tipps, überprüft das Fachwissen", erklärt Eckel. Denn eines sei klar: "So genannte Sonderfahrten sind gefährlich, für die jeweiligen Fahrer sind sie mit großer Anstrengung verbunden."

Probleme bereiten allerdings Verkehrsteilnehmer, die beim Auftauchen eines Einsatzfahrzeuges falsch oder gar nicht reagieren. "Manche sind vielleicht nur überlastet. Die Fahrschule ist schon lange her, die Situation ist ungewohnt, ja überraschend. Ich bin sicher, dass die Leute eigentlich nichts falsch machen wollen", sagt Eckel und rät: "Einfach den gesunden Menschenverstand einsetzen. Platz machen, rechts 'ran fahren." Und: "Die Musik im Auto sollte nur so laut sein, dass das Martinshorn noch gehört werden kann." Der Blick in den Rückspiegel schafft Klarheit - das Blaulicht ist ja (fast) unübersehbar.

Fahrten mit Sondersignalen - Blaulicht und Martinshorn - sind in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Paragraf 35 nennt die "Sonderrechte". In der entsprechenden Verwaltungsvorschrift ist festgelegt, dass "bei Fahrten, bei denen nicht alle Vorschriften eingehalten werden können, wenn möglich und zulässig, die Inanspruchnahme von Sonderrechten durch blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn angezeigt werden" soll./] Fahrzeugführer, etwa von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, dürfen sich über die Regeln der StVO hinwegsetzen, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Die Anwendung von Sonderrechten ist nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erlaubt - schrankenlos "freie Fahrt" gibt es also nicht.

 




Veröffentlicht am:
12:14:57 12.02.2015 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
12:14:57 12.02.2015