Ausbilder wirken mit Herzblut

Führerscheininhaber haben ihn besucht: Der Kurs Lebensrettende Sofortmaßnahmen (LSM) verschafft die nötigen Kenntnisse,
um nach Unfällen richtig zu handeln. Mehr Wissen vermittelt ein Erste Hilfe-Kurs (EH).

"Wir können die Erste-Hilfe-Ausbildung nach den neuen Richtlinien anbieten", sagt die Kreis-Ausbildungsleiterin Antje Klingert.

Foto: Hans-Peter Kuhnhäuser

"Wir können die Erste-Hilfe-Ausbildung nach den neuen Richtlinien anbieten",
sagt die Kreis-Ausbildungsleiterin Antje Klingert.


 

Ein Unfall ist schnell passiert, vor allem im Straßenverkehr. Auch deshalb hat der Gesetzgeber festgelegt, dass alle Führerscheinbewerber einen LSM-Kurs (Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort) besuchen müssen. Dabei lernen die jungen Leute, was sie nach einem Unfall tun müssen, um einerseits verletzten Personen zu helfen und andererseits Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst richtig zu alarmieren.

Der LSM-Kurs umfasst vier Doppel-Unterrichtsstunden zu jeweils 45 Minuten. Angeboten werden solche Kurse von allen Hilfsorganisationen, natürlich auch vom Deutschen Roten Kreuz. "Leider ist es so, dass man diesen Kurs nie wiederholen muss. Wer seine Kenntnisse auffrischt, macht das aus eigenem Antrieb", erklärt die Ausbildungsleiterin des DRK-Kreisverbands Bad Mergentheim, Antje Klingert. Möglichkeiten dafür gibt es reichlich - der DRK-Kreisverband und die Ortsvereine informieren regelmäßig in der TZ. Grundsätzlich hat der LSM-Kurs allerdings einen Nachteil, "denn einige, für das alltägliche Leben durchaus wichtige Bereiche, fehlen", weiß Klingert.

So gehören beispielsweise Sonnenstich und Schlaganfall - "da kann jeder gefordert sein, egal, ob zuhause, auf der Straße oder bei Veranstaltungen" - nicht zum Lehrgangsinhalt. Wer also in allen Lebenslagen helfen können will, sollte einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. "Da lernt man mehr und ist besser vorbereitet." Generell, so Klingert weiter, "zählt in Notfällen jede Sekunde". Je besser man helfen kann, "desto besser für die Betroffenen. Die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes (mit Notarzt) effektiv zu nutzen, kann Leben retten."

Ein EH-Kurs war bisher allerdings nicht so schnell wie ein LSM-Kurs zu bewältigen, sondern umfasste zwei Unterrichtstage mit 16 Doppelstunden. Das schreckte viele Interessenten ab, die geringfügig höhere Gebühr hingegen "war dafür nicht ausschlaggebend".

Erste-Hilfe-Kurse stehen auch im Forderungskatalog der Berufsgenossenschaften (BG). Und die wollten schon länger eine Neuregelung mit dem Ziel, die Ausbildung kürzer und zudem praxisnäher zu gestalten. Im Mai vergangenen Jahres organisierte die Gesetzliche Unfallversicherung ein Treffen mit Vertretern der Hilfsorganisationen. Dabei wurden die Lehrinhalte für die von den BG geforderten kürzeren Erste Hilfe-Kurse festgelegt. "Künftig gibt es weniger Theorie, dafür mehr Praxis. Und das Ganze an einem Tag", verdeutlicht Ante Klingert. Start der neuen EH-Kurse ist der 1. April.

Die Verantwortlichen des DRK-Kreisverbands Bad Mergentheim reagierten schnell: Schon zum Jahresende waren hier die Grundlagen gelegt. "Diese Reform war sicher die umfangreichste, die ich in den vergangenen 40 Jahren erlebt habe. Sie war eine große Herausforderung, die wir aber gerne angenommen haben. Wir können jetzt schon nach den neuen Vorgaben unterrichten", berichtet Klingert. Der Kreisverband Bad Mergentheim steht damit im Land an der Spitze, "obwohl bei uns ausschließlich ehrenamtliche Ausbilder tätig sind". Auch sie selbst engagiert sich ehrenamtlich, und das schon seit Jahrzehnten: "Ich bin seit 1976 Ausbilderin", sagt Klingert. Das Amt der Kreis-Ausbildungsleiterin hat sie seit 1998 inne, daneben ist sie noch in der Bereitschaft I Bad Mergentheim aktiv.

Neue Kurse ab 1. April

"Ab dem 1. April bieten wir alle EH-Kurse in neuer Form an. Wer an zwei Tagen unterrichtet werden will, kann das natürlich auch haben." Einzige Voraussetzung für einen EH-Kurs ist die Mindest-Teilnehmerzahl: "Zehn Personen müssen es schon sein." Sie selbst und die anderen Ausbilder leiten nicht nur die LSM- und EH-Kurse, sondern auch die von den Berufsgenossenschaften geforderten Schulungen sowie eine ganze Reihe weiterer Angebote wie etwa "Erweiterte EH", "EH am Kind", "EH für Sportgruppen" oder auch einen Kurs für "EH an Schulen für die Klassenstufen 7 und 8". Die ehrenamtlich tätigen DRK-Ausbilder investieren dafür "viel Freizeit, aber auch Herzblut. Und wir tun es gern", weiß Klingert. Natürlich würde sie sich freuen, wenn sich weitere Menschen für die Mitarbeit im Roten Kreuz fänden. "Jeder ist willkommen."
 

Teilnehmer lernen alle lebenswichtigen Maßnahmen

Mehr Attraktivität: "Die Erste Hilfe-Ausbildung ist umfassender als die Kurse für Führerscheinbewerber", weiß die Ausbildungsleiterin des DRK-Kreisverbands Bad Mergentheim, Antje Klingert. Mit der ab 1. April gültigen Reform werden EH-Kurse auf einen Tag verkürzt und der Praxisteil gestärkt - "die Kurse werden attraktiver". Vermittelt werden weiterhin alle lebenswichtigen Maßnahmen.

Helfen können: Bei akuter Herzerkrankung oder Schlaganfall helfen zu können, "ist wichtig, da sie immer häufiger vorkommen", weiß Klingert. Vermittelt wird auch das richtige Handeln bei Sonnenstich, epileptischen Anfällen oder Vergiftungen. Gelernt und geübt wird künftig "an Stationen und in Kleingruppen". Vorkenntnisse sollen einfließen. hp




Veröffentlicht am:
08:10:19 15.01.2015 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
08:13:09 15.01.2015