Neue Zielgruppe ansprechen

"Das Rote Kreuz - Schein und Sein" war das Thema des Festvortrags von Prof. Dr. Werner Romen bei der 50-Jahr-Feier der Bereitschaft Neunkirchen. Romen ist Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Mergentheim.

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Zum stimmungsvollen Ausklang des offiziellen Festaktes sang der Chor gemeinsam mit den Festgästen "O du fröhliche".
 

"Mich beschäftigt seit Jahren der Widerspruch, den das Rote Kreuz zeigt, nämlich das überaus positiv besetzte Bild in der Öffentlichkeit einerseits und andererseits das ständig nachlassende Engagement der Bürger, sich aktiv bei den Wohlfahrtsverbänden und speziell beim DRK einzubringen", betonte der Festredner.

Die Leistung des DRK werde sowohl von der Öffentlichkeit als auch von den Medien wahrgenommen und anerkannt, was sich unter anderem in der hohen Spendenbereitschaft der Bevölkerung sowie dem hervorragenden Image zeige. "Bei allen Umfragen, welcher Organisation die Deutschen am meisten vertrauen sowie Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen, steht das Rote Kreuz mit rund 76 Prozent der Befragten ganz weit vorne", berichtete er.

Die andere Seite der Medaille sei die zunehmend geringere Bereitschaft, sich aktiv einzubringen, was sich unter anderem als wichtiger Gradmesser in der sinkenden personellen Stärke des Jugend-Rot-Kreuzes niederschlage. "Wenn keine Rotkreuzler mehr nachwachsen, dann verdorrt die Krone", gab Romen zu bedenken. Der gesellschaftliche Wandel mit seinem neuen Verständnis von sozialem Engagement, die sinkende Bereitschaft vor allem von Jugendlichen, sich beim Einbringen von Aktivitäten zu binden, sowie das abnehmende Engagement der Generation "60 Plus" benannte Romen dabei als gewichtige Gründe für diese Tendenz.

"Wir dürfen nicht in Hektik und Aktionismus verfallen", meinte Romen. "Das gute Beispiel" sei weiterhin am wirkungsvollsten. Deshalb müssten die Mitglieder mehr auf Nachbarn zugehen, um sie anzusprechen und zu motivieren. "Wer aufhört zu werben, um Energie zu sparen, könnte ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen", zitierte er Henry Ford. Dabei sollte die Leistung des DRK für die Bevölkerung transparenter, qualitätsvoll und altersgemäß differenziert gestaltet und angeboten werden. Zudem sei für die gewonnenen Mitarbeiter eine angemessene Aus-, Fort- und Weiterbildung anzubieten.

Der Redner verwies weiter auf das große Potenzial der Mitbürger mit Migrationshintergrund, das bisher unberücksichtigt sei. "Auch diese Bürger brauchen in Notlagen das DRK. Warum sollten sie nicht nur Nehmende, sondern auch Gebende sein?", hob er hervor und schlug als Beispiel die Organisation von "Schnupperkursen" für diese Zielgruppe vor. "Es gibt viel zu tun, packen wir es an!", appellierte Romen an die DRK-Mitglieder.




Veröffentlicht am:
10:00:32 18.12.2012 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
10:00:32 18.12.2012