Jede Sekunde zählt im Ernstfall

 

Jede Sekunde zählt im Ernstfall

Mit Notfallrucksäcken sind die DRK-"Helfer vor Ort" bestens für den Ernstfall ausgerüstet.

Mit Notfallrucksäcken sind die DRK-"Helfer vor Ort" bestens für den Ernstfall ausgerüstet.

© Sabir Lulaj


"Helfer vor Ort" sind seit 15 Jahren fester Bestandteil bei Notfällen. Die hauptamtlichen Rettungskräfte der Region sind den Ehrenamtlichen dankbar für ihre Dienste an vorderster Front.

Bad Mergentheim. Der offizielle Ablauf bei einem Notruf ist jedem bekannt. Die Rufnummer 112 wird gewählt, die Rettungsleitstelle nimmt das Gespräch an. Das Anliegen wird der Leitstelle anhand der fünf "W-Fragen" (Wer? Was? Wann? Wo? Wie viele?) durchgegeben. Unverzüglich werden Rettungskräfte und Notarzt kontaktiert. Und schon ertönt das Martinshorn des ausrückenden Rettungsdienstes lautstark.

Bis hierhin sind die Abläufe tatsächlich Jedermann bekannt. Doch was danach folgt, ist trotz ihres bereits 15-jährigen Bestehens im Altkreis Mergentheim nicht allen ein Begriff. Die "Helfer vor Ort" (HvO) werden ebenfalls alarmiert. Zum Einsatz kommen sie immer bei Notfällen bei denen auch ein Notarzt hinzugerufen wird. Dazu werden die Ehrenamtlichen über die so genannte "Telefontaktische Alarmierung" per Mobiltelefon oder Funkgerät vom Disponenten über den Rettungseinsatz informiert.

Der Einsatz

Dann heißt es für die Helfer, beispielsweise in Markelsheim: Alles stehen und liegen lassen, in das Privatfahrzeug springen, in dem sich auch der Notfallrucksack, vergleichbar mit dem der Sanitäter, befindet, und ab zum Unglücksort. Nach kürzester Zeit treffen die Ehrenamtlichen bei den Verletzten ein - schneller als der hauptamtliche Rettungsdienst, der aus Bad Mergentheim anfährt.

Die ersten zwei "Helfer vor Ort" kümmern sich um die Patientenversorgung, die nachfolgenden Helfer um Familienangehörige oder fangen zur besseren Koordination das eintreffende Rettungsfahrzeug ab und weisen es ein, berichtet Helmut Wolf, Bereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Bereitschaft Markelsheim.

Sobald die hauptamtlichen Kräfte eingetroffen sind, erfolgt die Übergabe der Unfallopfer mit einer kurzen Rücksprache. Die "Helfer vor Ort" übernehmen die Betreuung der unverletzten Unfallbeteiligten oder von Familienangehörigen. "Wir stehen den Angehörigen auch nach der Versorgung für jegliche Art von Fragen zur Verfügung. Erklären ihnen nachfolgende Schritte, die in den Rettungsfahrzeugen bei den Opfern unternommen werden, bis hin zu allgemeinen Tipps, wie beispielsweise, welche Sachen dem Patienten im Krankenhaus nachgereicht werden sollten. Nachfolgend kehren wir wieder zurück zur eigentlichen Arbeit", erklärt Wolf unserer Zeitung.

Schlimmere Folgen verhindern

Somit ermöglichen die "Helfer vor Ort" eine Erstversorgung und das in der Zeitspanne zwischen dem Unfall und dem Eintreffen der Rettungssanitäter. "Bei einem Notfall zählt nämlich jede Sekunde und kann im Ernstfall schlimmere Folgen verhindern", so Klaus Eckel, Kreisgeschäftsführer des DRK -Kreisverbands Bad Mergentheim.

Mitten in der Nacht

Helmut Wolf der bereits seit 1969 über den Erste-Hilfe-Kurs in Creglingen zum DRK-Kreisverband Mergentheim kam und 2002 die erste "HvO-Ortsgruppe" im Altkreis mitgründete, sieht es als Pflicht an, auch als Rentner noch den Rettungssanitätern unterstützend in seinem Wohnort und dem direkten Umfeld unter die Arme zu greifen. "Da kann es auch mal sein, dass man um 3 Uhr in der Nacht zum Einsatz kommt. Die kollabierte Frau wieder mit unserer Hilfe zu Bewusstsein kommt und der Ehemann der Patientin voller Dank später noch einen Kaffee aufbrüht und diesen anbietet. Doch wer trinkt zur Schlafenzeit gerne Kaffee?", scherzt der Bereitschaftsleiter, der natürlich gerne geholfen hat und die Dankbarkeit spürt.

Wolf trägt aber nicht die alleinige Verantwortung für die Bereitschaftsleitung in Markelsheim, sondern teilt sich diese mit seiner langjährigen "HvO"-Kollegin Claudia Lochner. Die in der Notaufnahme tätige Krankenschwester ist vor acht Jahren dem DRK beigetreten. Damals entschied sie sich auch dazu bei den Ersthelfern vor Ort einzusteigen: "Eine Möglichkeit mein 'Helfer-Syndrom' zu befriedigen", so Lochner.

Schönes Gefühl

Das Besondere am "Helfer vor Ort" ist, dass sich die behandelten Patienten auch Jahre später an einen erinnern können, so die Krankenschwester lächelnd. "Am 'Autofreien Sonntag' letztes Jahr konnten wir bei unserem Einsatz einen Fahrradfahrer erfolgreich reanimieren. In diesem Jahr standen wir zur Überwachung an der Strecke und tatsächlich fuhr uns der reanimierte Mann vom vergangenen Jahr entgegen, stieg ab und bedankte sich noch einmal recht herzlich bei uns. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl", sind sich Wolf und Lochner einig.







Veröffentlicht am:
10:48:35 12.10.2017 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
10:48:35 12.10.2017