ozapft is, lacht der treue Spender

 

"O'zapft is", lacht der treue Spender

Harald Dietz spendet wie viele bereitwillig sein Blut für andere.

Harald Dietz spendet wie viele bereitwillig sein Blut für andere.

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© Mehlmann

Blutspender retten Leben! Um die Versorgung der Patienten dauerhaft sicherzustellen, braucht es viele freiwillige Spender und engagierte Ehrenamtliche.

Bad Mergentheim/Niederstetten. Der Kreisverband Bad Mergentheim des Deutschen Roten Kreuzes ist froh, nach wie vor auf viele Blutspender zählen zu dürfen. In Niederstetten fuhren vor kurzem, beim ersten Termin des Jahres, trotz widriger Wetterbedingungen wieder die Lastwagen des DRK vor und später mit der kostbaren Fracht wieder ab.
"Es war wieder ein voller Erfolg", freut sich Roland Dietz, Bereitschaftsleiter des Ortsvereins Niederstetten, und erklärt, dass natürlich in Ferienzeiten etliche Spender im Urlaub sind und bei schlechter Witterung manche die Anfahrt scheuen, aber zum Glück auf der anderen Seite diejenigen kommen, die sonst wegen ihrer Arbeitszeiten keine Möglichkeit gehabt hätten. So gleiche sich das aus "und wir haben damit keine Probleme".

Der Vorraum der Schule füllt sich schnell mit ersten Spendenwilligen. Nachdem sie dort freundlich in Empfang genommen werden, müssen zunächst Bögen mit Gesundheitsfragen ausgefüllt werden. Gleich danach geht es zu den Ärzten, die vor Ort eingesetzt sind. Bei ihnen handelt es sich nicht um angestellte Mitarbeiter des DRK, sondern sie werden für die einzelnen Einsätze eingeteilt und bezahlt. Lediglich die anwesenden Mitarbeiter und Fahrer des Blutspendedienstes sind fest angestellt.

Ohne diese Voruntersuchung und das Okay der Ärzte darf nie eine Spende erfolgen. Das kostet natürlich etwas Zeit, aber jeder Spender weiß um die Wichtigkeit und übt sich in Geduld. Gelegentlich gibt es dann aber auch enttäuschte Gesichter, denn manchmal müssen die Ärzte die Blutspende aus gesundheitlichen Gründen auch verweigern. Dann folgt der wichtigste Teil. Betreut von einem ausgebildeten Helfer geht es nun in den Raum, in dem das Blut entnommen wird. Gelassen warten die erfahrenen Spender, bis ihnen eine Liege zugewiesen wird, etwas aufgeregter sind da schon die Erstspender. "O'zapft is", meint grinsend ein junger Mann und wartet, bis genügend Blut im Beutel ist und er in den Ruheraum gehen kann. Wenn man um sich blickt, stellt man fest, dass hier die unterschiedlichsten Menschen ihren Lebenssaft abgeben. Neben einer jungen Frau Anfang 20 liegt ein Mann in den Vierzigern, direkt daneben eine Rentnerin. Alle eint das Ziel mit ihrer Blutspende zu helfen. Harald Dietz (44 Jahre alt) absolviert an diesem Tag seine 64. Blutspende. "Ich arbeite beim DRK in Bad Mergentheim, ich weiß also sehr gut, wie wichtig solche Blutspenden sind", erklärt er. Lächelnd fügt er hinzu: "Außerdem liegt das Blutspenden unserer Familie sozusagen im Blut." Wie er das meint, sehen wir später.

Imposante Leistung

So wie Dietz scheut auch Gertraude Romy keine Wege, wenn es um die gute Sache geht. Die 61-Jährige kommt aus dem Hohenlohekreis und ist mit ihrer imposanten Zahl von 98 Blutspenden nicht mehr weit von der nächsten Ehrung entfernt. "Ich weiß, dass Blut nicht unbegrenzt haltbar ist, umso wichtiger ist die regelmäßige Abgabe."

Erst am Anfang seiner Karriere als Blutspender steht Michael Bohnet (24 Jahre) und sein Weg ist auch ein sehr kurzer. "Heute ist meine vierte Spende und die Termine hier in der Schule sind natürlich ideal für mich, da ich schräg über die Straße wohne. So hält sich der Zeitaufwand noch mehr in Grenzen", sagt er und freut sich, dass es so einfach ist, Gutes zu tun.

Ebenfalls seine vierte Spende gibt Torsten Eckert ab. Er ist 49 Jahre alt und hat erst später mit dem Spenden begonnen. Auch er freut sich, dass er durch seinen Einsatz helfen kann.

Renate Streng-Scheu (55 Jahre) ist zum 15. Mal dabei. Wie so viele der Anwesenden weiß sie um die Wichtigkeit ihres Engagements und ist sich sicher, auch in Zukunft ihren Teil zum Erfolg dieser Aktionen beizutragen. Die nächste Station nach der Blutabnahme ist dann der Ruheraum. Immer begleitet von einem Helfer, kann man sich dort sitzend oder liegend ein wenig erholen. Erfahrene Mitglieder des DRK-Ortsverbandes haben ein wachsames Auge und können sehr schnell erkennen, ob sich jemand unwohl fühlt und reagieren. Wie erfahren die Helfer sind, wird im Gespräch deutlich. "Seit 64 Jahren bin ich hier im DRK aktiv und helfe mit", erklärt stolz Otto Dietz (80) und fährt fort: "Und ich denke ehrlich gesagt auch nicht ans Aufhören. Solange es irgendwie geht, mache ich weiter." Jetzt wird auch klar, was sein Sohn Harald meinte. Nur wenig kürzer ist die Zeit, die Eduard Sattler beim DRK dabei ist: "Ich bin jetzt 86 und seit 60 Jahren aktiv. Auch ich sehe keinen Grund, warum ich damit aufhören sollte", erklärt er freundlich lächelnd.

Die letzte Station des Tages ist dann dem gemütlichen Teil gewidmet. Hier treffen sich alle, trinken Kaffee oder Saft, essen eine Kleinigkeit und unterhalten sich. Oft kennt man sich vom Sehen, denn fast nie ist es mit der Erstspende getan. Wer einmal damit angefangen hat, bleibt auch meistens dabei und so sieht man sich immer wieder und es gibt viel zu erzählen. Irgendwie hat man den Eindruck, dass hier die Welt noch in Ordnung ist.

Lange Tradition

"Seit 1963 gibt es die Blutspendenaktionen in Niederstetten", weiß Roland Dietz. Wurden sie früher zweimal jährlich durchgeführt, erhöhte sich die Frequenz ab dem Jahr 2000 auf dreimal. So war der Termin Anfang Januar der mittlerweile 119. vor Ort. Im Schnitt kommen auf diese Weise pro Jahr 600 bis 700 Spenden zusammen, insgesamt hat der Ortsverein über 28 000 Blutspenden eingesammelt.

Roland Dietz freut sich, dass die Zahl derjenigen, die wegen Krankheit, Wegzug oder anderen Gründen nicht mehr dabei sind, immer wieder durch Erstspender aufgefangen wird. Und ganz besonders gefällt ihm, dass an diesem Tag nicht nur 26 Erwachsene als Helfer dabei sind, sondern auch 14 Mitglieder des Jugend-Rot-Kreuzes: "Wir sind stolz darauf, dass so viele junge Menschen bei uns mitmachen", sagt er und meint dann augenzwinkernd: "Wo das endet, haben Sie ja gesehen, als Sie sich mit meinem Vater und Herrn Sattler unterhalten haben."





Veröffentlicht am:
15:32:05 19.09.2017 von DRK Bad Mergentheim e.V

Letzte Aktualisierung
15:39:20 19.09.2017